Stress bei Grundschulkindern ist längst keine Randerscheinung mehr. Aktuelle Zahlen aus Deutschland zeigen: Schon Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren erleben erheblichen Druck – durch eigene Erwartungen, Schule, Konflikte mit anderen Kindern und zunehmend auch durch die digitale Welt.
Und genau deshalb stellt sich eine wichtige Frage:
Wie können wir Kinder schon in der Grundschule dabei unterstützen, mit Stress umzugehen, ihre Gefühle wahrzunehmen und wieder zur Ruhe zu finden?
Eine mögliche Antwort liegt direkt im Schulalltag: Yoga und Achtsamkeit.
24 % der Grundschulkinder fühlen sich häufig gestresst
Die Zahlen der aktuellen KKH-forsa-Befragung von 2026 machen deutlich, wie früh Stress heute beginnt.
Für die Untersuchung wurden bundesweit 1.005 Eltern von Kindern zwischen sechs und zehn Jahren befragt. Die Befragung fand im Januar und Februar 2026 statt.
Das Ergebnis:
24 % der Eltern sagen, dass sich ihr Kind in den vergangenen vier Wochen häufig gestresst gefühlt hat.
Noch bemerkenswerter: 42 % der Eltern haben den Eindruck, dass der Druck beziehungsweise die psychische Belastung ihres Kindes in den vergangenen ein bis zwei Jahren zugenommen hat.
Das bedeutet nicht, dass jedes gestresste Kind psychisch krank ist. Stress gehört grundsätzlich zum Leben und kann auch eine hilfreiche Reaktion auf Herausforderungen sein.
Aber die Zahlen zeigen deutlich: Stress erreicht unsere Kinder bereits im Grundschulalter.
Und wir sollten nicht erst reagieren, wenn ein Kind dauerhaft erschöpft, ängstlich oder überfordert ist.
Was stresst Grundschulkinder eigentlich?
Wenn wir über Stress bei Grundschulkindern sprechen, denken viele zunächst an Hausaufgaben, Klassenarbeiten oder Noten.
Doch die aktuellen Daten zeigen ein wesentlich komplexeres Bild.
1. Hohe Erwartungen an sich selbst
Der mit Abstand häufigste Belastungsfaktor in der KKH-Befragung sind die eigenen Erwartungen der Kinder und damit verbundene Versagensängste.
58 % der befragten Eltern nannten diesen Punkt.
Das ist besonders interessant.
Denn Stress entsteht nicht immer nur dadurch, dass Erwachsene Druck machen.
Manche Kinder setzen sich selbst enorm unter Druck:
- „Ich muss das können.“
- „Ich darf keinen Fehler machen.“
- „Die anderen sind besser als ich.“
- „Ich muss eine gute Note bekommen.“
Gerade in der Grundschule entwickeln Kinder zunehmend Vorstellungen davon, was sie leisten können und wie sie von anderen gesehen werden.
Die Fähigkeit, mit Fehlern, Enttäuschungen und hohen Erwartungen umzugehen, wird deshalb zu einer wichtigen Lebenskompetenz.
2. Streit, Mobbing und Gruppendruck
Auf Platz zwei der genannten Belastungen stehen Probleme mit anderen Kindern.
50 % der Eltern nannten beispielsweise Mobbing, Streit oder Gruppenzwang als Belastungsfaktoren.
Für Grundschulkinder können soziale Konflikte enorm belastend sein.
Wer gehört dazu?
Wer sitzt neben wem?
Wer darf mitspielen?
Was passiert, wenn ich ausgeschlossen werde?
Was denken die anderen über mich?
Kinder brauchen deshalb nicht nur fachliche Kompetenzen. Sie brauchen auch Möglichkeiten, soziale Situationen wahrzunehmen, Gefühle zu benennen und Konflikte zu bewältigen.
3. Leistungsdruck in Schule und Freizeit
47 % der Eltern nannten Erwartungen an das Kind in Bereichen wie Schule oder Sport als Belastungsfaktor.
Dabei kann sich Druck auf ganz unterschiedliche Weise zeigen.
Schule, Hausaufgaben, Klassenarbeiten, Sportverein, Musikunterricht und andere Termine können sich zu einem vollen Alltag summieren.
Für Erwachsene mag ein einzelner Termin harmlos erscheinen.
Für ein Kind kann die Summe entscheidend sein.
Wann darf ich einfach nur Kind sein?
4. Digitale Medien
Auch digitale Medien spielen eine Rolle.
In der KKH-Befragung wurden digitale Medien von 32 % der Eltern als möglicher Stressfaktor genannt.
Dabei geht es nicht darum, digitale Medien pauschal als schlecht darzustellen.
Aber Kinder müssen auch lernen, mit Reizen, Informationen, sozialen Erwartungen und digitalen Angeboten umzugehen.
Und dafür brauchen sie etwas, das im heutigen Alltag leicht verloren geht:
Pausen.
Stress bei Grundschulkindern ist Teil eines größeren Bildes
Die Ergebnisse der KKH-Befragung stehen nicht isoliert.
Auch das aktuelle Deutsche Schulbarometer 2025/26 der Robert Bosch Stiftung zeigt eine hohe psychische Belastung unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland.
Für die repräsentative Befragung wurden 1.507 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil befragt.
Das Ergebnis:
25 % der 8- bis 17-Jährigen weisen psychische Auffälligkeiten auf.
2024 lag dieser Anteil noch bei 21 %. Die Robert Bosch Stiftung spricht von einem erstmaligen Anstieg der psychischen Belastung seit der Corona-Pandemie.
Besonders interessant für den Grundschulbereich:
Bei den 8- bis 10-Jährigen wurden die psychischen Auffälligkeiten über die Angaben der Eltern erfasst. Außerdem berichteten gerade ältere Grundschulkinder häufiger von einer niedrigen Lebensqualität: 34 % dieser Gruppe lagen bei diesem Indikator im niedrigen Bereich.
Das zeigt:
Wir sollten beim Thema mentale Gesundheit nicht erst an Jugendliche denken.
Die Prävention muss früher beginnen.
Auch Jugendliche stehen unter Druck
Bei Jugendlichen verschärft sich die Situation teilweise noch.
Das Robert-Bosch-Schulbarometer zeigt unter anderem einen hohen Leistungsdruck sowie Mobbingerfahrungen. In der aktuellen Erhebung berichtete ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen, mindestens einmal im Monat von Mitschüler schikaniert zu werden.
Bereits die frühere Schulbarometer-Erhebung von 2024 zeigte außerdem, dass 26 % der 8- bis 17-Jährigen häufig oder sehr häufig Sorge hatten, keine guten schulischen Leistungen zu erbringen.
Auch das Robert Koch-Institut kommt zu einem ähnlichen Bild: In den ausgewerteten Daten des DAK-Präventionsradars 2018/19 berichteten 42 % der Kinder und Jugendlichen, oft oder sehr oft Stress zu empfinden. Bei den 10- bis 13-Jährigen waren es 35 %. Als wichtigste Stressquelle wurde die Schule genannt.
Die RKI-Daten sind älter und deshalb nicht direkt mit den aktuellen Zahlen gleichzusetzen. Sie zeigen aber, dass Stress im Kindes- und Jugendalter schon seit Jahren ein relevantes Thema ist.
Kinder brauchen nicht noch mehr Leistung – sie brauchen Strategien
Wenn wir diese Zahlen betrachten, sollte die Antwort nicht lauten:
„Dann müssen Kinder eben lernen, noch mehr auszuhalten.“
Im Gegenteil.
Kinder brauchen Strategien, mit denen sie ihren eigenen Stress wahrnehmen und regulieren können.
Sie müssen lernen:
- Wie fühlt sich Stress in meinem Körper an?
- Was kann ich tun, wenn ich nervös werde?
- Wie kann ich nach einem anstrengenden Moment wieder zur Ruhe kommen?
- Wie gehe ich mit Fehlern um?
- Wie kann ich meine Aufmerksamkeit wieder auf eine Sache lenken?
- Wie kann ich wahrnehmen, was gerade in mir passiert?
Und genau hier können Yoga und Achtsamkeit in der Schule einen wertvollen Platz bekommen.
Yoga und Achtsamkeit in der Schule: kleine Übungen, große Wirkung
Yoga im Unterricht bedeutet nicht, dass eine komplette Yogastunde in den Stundenplan integriert werden muss.
Es kann viel einfacher beginnen.
- Eine kurze Atemübung vor einer Klassenarbeit.
- Eine Bewegungssequenz nach einer konzentrierten Arbeitsphase.
- Eine Minute bewusste Ruhe.
- Eine Körperwahrnehmungsübung.
- Eine kleine Yogaübung zwischen zwei Unterrichtsphasen.
- Oder ein achtsamer Moment, in dem Kinder lernen, kurz innezuhalten und wahrzunehmen: Wie geht es mir gerade eigentlich?
Gerade für Grundschulkinder kann diese Verbindung aus Bewegung, Atmung, Körperwahrnehmung und Achtsamkeit besonders niedrigschwellig sein.
Denn Kinder müssen nicht erst lange über Stress sprechen.
Sie können lernen, ihn wahrzunehmen und über den Körper einen anderen Umgang damit zu erfahren.
Yoga muss nicht „noch ein Fach“ sein
Das ist mir besonders wichtig.
Wenn wir über Yoga in der Schule sprechen, sollte es nicht darum gehen, Lehrkräfte mit einem weiteren Programm zu überladen.
Yoga kann in den Unterricht integriert werden.
Genau deshalb habe ich mein Konzept „Yoga im Unterricht integrieren“ entwickelt.

Dabei geht es um alltagstaugliche Möglichkeiten, Yoga und Achtsamkeit so in den Schulalltag einzubauen, dass sie nicht als zusätzlicher Programmpunkt empfunden werden.
Denn manchmal reichen bereits wenige Minuten.
- Eine bewusste Pause.
- Eine Bewegung.
- Ein Atemzug.
- Ein Moment der Stille.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erfahrungen, die wir Kindern heute mitgeben können:
Ich kann etwas tun, wenn es mir zu viel wird.
Yoga und Achtsamkeit als Ressource für den Schulalltag
Die aktuellen Studien zeigen nicht, dass Yoga allein die Lösung für psychische Belastungen von Kindern ist.
Und natürlich ersetzt Yoga weder eine psychotherapeutische Behandlung noch professionelle Hilfe bei ernsthaften psychischen Problemen.
Aber Prävention darf früher beginnen.
Schule ist einer der Orte, an denen Kinder einen großen Teil ihres Tages verbringen. Das Deutsche Schulbarometer zeigt gleichzeitig, dass das schulische Wohlbefinden eng damit verbunden ist, wie Kinder Unterstützung, Beziehungen und Unterricht erleben.
Deshalb lohnt es sich, Schule nicht ausschließlich als Lernort für Mathematik, Deutsch und Sachunterricht zu betrachten.
Schule ist auch ein Ort, an dem Kinder lernen können, mit sich selbst umzugehen.
Mein Wunsch: Mehr Ruhe im Klassenzimmer
Ich wünsche mir eine Schule, in der Kinder nicht nur lernen, schneller, besser und leistungsfähiger zu werden.
Sondern eine Schule, in der sie auch lernen:
- innezuhalten.
- zu atmen.
- ihren Körper wahrzunehmen.
- Gefühle zu erkennen.
- Grenzen wahrzunehmen.
- mit Stress umzugehen.
Und vor allem:
- dass sie nicht erst etwas leisten müssen, um wertvoll zu sein.
Die aktuellen Zahlen zum Stress bei Grundschulkindern zeigen, dass wir dieses Thema ernst nehmen müssen.
Nicht irgendwann.
Jetzt.
Du möchtest Yoga und Achtsamkeit in deinen Unterricht integrieren?
Wenn du selbst mit Kindern arbeitest und dir konkrete, kindgerechte Übungen und Ideen für den Schulalltag wünschst, findest du bei YoKids Unterstützung.

In meinem Mitgliederbereich bekommst du Materialien, Übungen und Inspirationen, die du direkt in deinen pädagogischen Alltag integrieren kannst.
Und wenn du Yoga nicht nur punktuell einsetzen, sondern wirklich systematisch in deinen Unterricht integrieren möchtest, ist meine individuelle Fortbildung genau dafür gedacht.
Du lernst dabei, wie du Yoga und Achtsamkeit so einsetzen kannst, dass sie zu deinem Unterricht und zu den Bedürfnissen deiner Kinder passen.
Denn Kinder brauchen heute nicht noch mehr Druck.
Sie brauchen Menschen, die ihnen zeigen, wie sie mitten im Trubel wieder bei sich ankommen können.
Und genau dabei möchte ich dich mit YoKids unterstützen.
Quellen und weiterführende Studien
KKH Kaufmännische Krankenkasse / forsa (2026): Befragung von 1.005 Eltern von Kindern zwischen 6 und 10 Jahren. Die Befragung wurde vom 26. Januar bis 10. Februar 2026 durchgeführt. 24 % der Eltern berichteten von häufigem Stress ihres Kindes in den vergangenen vier Wochen; 42 % nahmen eine Zunahme von Druck bzw. psychischer Belastung wahr.
Robert Bosch Stiftung / Universität Leipzig (2026): Deutsches Schulbarometer 2025/26. Repräsentative Befragung von 1.507 Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 17 Jahren sowie jeweils einem Elternteil. 25 % weisen psychische Auffälligkeiten auf; 2024 waren es 21 %.
Robert Bosch Stiftung / Universität Leipzig (2024): Deutsches Schulbarometer Schüler. Befragung von 1.530 Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 17 Jahren. Unter anderem wurden Sorgen über schulische Leistungen, Krieg und Klimawandel sowie schulisches Wohlbefinden untersucht.
Robert Koch-Institut (2020): Stressbelastung bei Kindern und Jugendlichen. Auswertung des DAK-Präventionsradars 2018/19: 42 % der Kinder und Jugendlichen berichteten, oft oder sehr oft Stress zu empfinden; bei den 10- bis 13-Jährigen waren es 35 %. Die Schule wurde als wichtigste Stressquelle genannt.
Hinweis: Die verschiedenen Studien verwenden unterschiedliche Altersgruppen, Messinstrumente und Erhebungszeiträume. Die Zahlen sind deshalb nicht unmittelbar miteinander vergleichbar.